15 Februar 2015

Regisseurin Micah Magee über ihren Debüt-Spielfilm “Petting Zoo” und wie die Filmschule ihre Karriere geprägt hat

By Danny Kelly | Categorised in Allgemein

Petting Zoo” war ein absoluter Hit auf der diesjährigen Berlinale. Der Zuschauer wird mitgenommen nach San Antonio, Texas, und lernt Layla (Devon Keller) kennen, eine 17-jährige Highschool-Schülerin, die ein Kind erwartet. Ein zartes Porträt einer Generation, die darum kämpft, ihren eigenen Weg im Leben zu finden. „Petting Zoo“ muss man einfach gesehen haben – eine ehrliche und mitnehmende Darstellung des alltäglichen Kampfes, die eigene Identität nicht zu verlieren.

Wir haben mit der Drehbuchautorin und Regisseurin des Films Micah Magee gesprochen. Wir wollten mehr über den Dreh dieses Spielfilms herausfinden, und wie sie vom Kurzfilm zum Spielfilm kam.

Wie lange hatten Sie schon die Idee zu diesem Film und wie haben Sie sie dann zu Papier gebracht?

Manchmal passiert es einem, dass man sich dieselbe Geschichte immer und immer wieder erzählt. Man trifft zufällig Leute, die man nie wiedersehen wird, und plötzlich merkt man, dass man ihnen von dieser Geschichte erzählt. So ging es mir in diesem Fall. Und deswegen wusste ich: Ich muss diese Geschichte erzählen.

In der Filmschule hatten wir eine Aufgabe bekommen und ich brachte etwas zu Papier. Dann merkte ich, dass die Geschichte zwar nur anderthalb Seiten füllte, man aber leicht einen abendfüllenden Film daraus machen konnte. Nach dem Aufschreiben hat es allerdings lange gedauert, bis ich den Film dann endlich produzieren lassen konnte. Denn die Story ist nicht so ansprechend, dass jeder gleich hurra schreit. Ich hatte Glück, dass ich ein tolles Team hinter mir hatte, u. a. meinen Mann, der das Projekt koproduzierte.

Es ist offensichtlich ein sehr frauenzentrierter Film. Wie empfinden Sie Ihre Rolle als Frau und Filmemacherin in der Branche heute?

Zuerst einmal haben die Leute das Bild, dass Feministinnen aggressive Frauen sind. Aber das stimmt überhaupt nicht. Und einige der engagiertesten Feministinnen, die ich kenne, sind Männer. Was Frauen in der Filmbranche betrifft, läuft es darauf hinaus: Ein Frau muss sich immer zwischen ihrer Arbeit und ihrer Familie aufspalten. Glücklicherweise muss ich das nicht, weil mein Mann mir bei meinen Filmen hilft und ich ihm bei seinen. Das eröffnet mir unheimlich viele Möglichkeiten. Einer meiner früheren Lehrer an der Filmschule hat mir später im Berufsleben sehr geholfen. Wenn ich in Zukunft einmal in der Position bin, meinerseits einer Frau helfen zu können, dann kann ich dieses Prinzip weiterverbreiten.

Drei der Hauptdarsteller im Film sind Laiendarsteller. Wie haben Sie bei diesem Film das Casting abgewickelt?

Also wir haben bei diesem Film oft von der Straße weg gecastet und haben uns für die Rolle der Layla über 1.000 junge Frauen angesehen. Und Devon Keller habe ich noch anders entdeckt, nämlich auf einer Modenschau an meiner alten Highschool in Texas. Als ich sie das erste Mal sah, wusste ich: Die ist es! Die Art, wie sie ging, die Art, wie die Leute sie ansahen. Sie ist so unheimlich schön auf der Leinwand, aber sie hat noch etwas anderes. Sie strahlte einfach etwas Besonderes aus. Und ich wusste sofort, dass sie die Story verstehen würde.

Ich musste viel Überzeugungsarbeit leisten, damit eine Laiendarstellerin die Hauptrolle spielen durfte. Natürlich bestanden Bedenken, ob sie das schaffen würde, da sie noch nie auf der Leinwand gewesen war. Die anderen Schauspielerinnen, die ich mir für die Rolle der Layla angesehen hatte, waren auch richtig gut und sehr talentiert. Aber sie hätten keinen richtigen Sinn für den Ort entwickelt. Und der Sinn für den Ort ist für die Story sehr wichtig. Devlon Keller stammt aus San Antonio und das ist ihr Umfeld. Sie ist eins mit dieser Umgebung, und das ist für die Story so wichtig.

Sie unterrichten Filmemachen und waren schon an verschiedenen Filmschulen tätig. Welche Bedeutung messen Sie der Ausbildung im Filmemachen bei und welche beruflichen Möglichkeiten hat Ihnen Ihre eigene Ausbildung eröffnet?

Also ich sehe die Ausbildung praktisch als grundlegendes Rüstzeug an, das man einfach haben muss. Wir leben in einer Zeit, in der jeder einen Film drehen kann. Aber eine Filmschule vermittelt einem eine sichere Grundlage und ein sicheres Umfeld, in dem man sich entfalten kann. Meiner Meinung nach ist es als Lehrer am besten, den Studenten zu fragen, in welche Richtung er gehen will. Und ihn dann auf diesem Weg zu unterstützen und begleiten.

Ich will den Studenten nicht sagen, was sie tun sollen. Ich will ihnen helfen, so viel wie möglich selbst herauszufinden. Wenn man mit Schauspielern oder Studenten arbeitet, ist Vertrauen sehr wichtig. Sie müssen das Gefühl haben, Dinge ausprobieren zu können, ohne Angst vor Fehlern haben zu müssen.

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